Gründergeschichte · 5. November 2026 · 6 min
Drei Jahre, ein Code: Warum ich RememberQR gebaut habe
Gefundene und wieder verlorene Co-Founder, ein nervenaufreibender Pitch Day in New York – und die Entscheidung, es allein von Grund auf richtig zu bauen.
Jede Familie kennt diesen Moment: Man steht vor einer alten Schachtel voller Schwarzweißfotos oder scrollt durch Tausende unsortierte Handybilder. Man sieht vertraute Gesichter, weiß aber nicht mehr, wer links im Bild steht, wie diese Person gelacht hat oder was an jenem Sommernachmittag 1974 eigentlich passiert ist.
Klassische Stammbäume helfen da selten weiter. Sie erfassen Geburts- und Sterbedaten wie ein Aktenordner, aber nicht das Leben dazwischen. Ich wollte vor drei Jahren etwas anderes: einen Lebensweg, den man begehen kann – mit Stationen, Bildern und den Stimmen derer, die dabei waren.
Gefundene Mitstreiter – und eine Idee, die nicht greifbar war
Am Anfang dachte ich wie wohl die meisten Gründer: So etwas baut man im Team. Ich suchte Co-Founder und fand auch Mitstreiter. Auf dem Papier passte alles, in der Praxis stießen zwei Welten aufeinander.
In der Startup-Welt ist Software oft eine Abfolge von Klickraten und schnellem Wachstum. RememberQR passte in keine dieser Schubladen. Es ging nicht um den nächsten Cloud-Speicher, sondern um das Persönlichste, was Menschen haben: ihre Familiengeschichte und das Gedenken an Verstorbene.
Für meine damaligen Mitstreiter war das Produkt leider nicht greifbar. Geduld für Details, Feingefühl und der Anspruch, etwas Dauerhaftes statt eines schnellen Hypes zu bauen, ließen sich nicht in ein Standard-Geschäftsmodell pressen. Als sich die Wege trennten, stand ich allein da – mit einer großen Codebasis und der lauten Frage, ob man so etwas allein stemmen kann.
New York: Puls auf 180
Mitten in dieser Phase kam die Einladung zum Pitch Day in New York. Ich erinnere mich genau an den Flug: Magenflattern, wenig Schlaf, endlose Notizen. Dann Manhattan – Glastürme, schnelle Pitches auf Englisch, Investoren, die jedes Wort abwogen. Der Hals war trocken, der Puls hoch.
Das Feedback war intensiv. Die wichtigste Erkenntnis kam aber nicht auf der Bühne, sondern danach auf der Straße: In der Startup-Welt zählen Schlagworte und Finanzierungsrunden. Am Küchentisch zählt kein Pitch-Deck. Wenn eine 70-jährige Großmutter ein Passwort mit Sonderzeichen braucht, um ein Foto ihres Mannes zu sehen, hat die Technik versagt.
New York war mein Weckruf: aufhören, für Investoren zu denken, und konsequent für echte Familien bauen.
Ärmel hoch und neu anfangen
Zurück am Schreibtisch habe ich viel überflüssigen Code gelöscht und die Software neu aufgesetzt. Daraus wurde ein Universum, in dem Generationen verbunden sind – klar, ohne Stammbaum-Bürokratie, ohne Bedienungsanleitung.
Was Familie wirklich bedeutet
Bei den ersten Tests zeigte sich, was herkömmlichen Programmen fehlt: das echte Leben. Warum soll der Hund, der zwölf Jahre bei jedem Familienfest dabei war, nicht vorkommen? Warum enge Freunde ausschließen, nur weil kein Kirchenbucheintrag existiert? Bei RememberQR haben Begleiter und Herzensmenschen ihren festen Platz.
Edelstahl statt Abo-Falle
Dann kam der Gedenkpfad für Friedhöfe. Bei Bestattern und Steinmetzen hörte ich verständliche Skepsis: „Wieder so ein Internet-Ding, das in zwei Jahren offline ist?“ Genau das durfte nicht passieren. Ein QR-Code auf Edelstahl am Grabstein muss auch in zehn Jahren funktionieren. Deshalb gibt es einen Festpreis von 299 € inklusive Mehrwertsteuer über den Bestatter, zehn Jahre garantierte Laufzeit und keinen Registrierungszwang für Besucher. Handy heben, scannen, erinnern – ohne Werbung.
Handwerk statt Hype
Heute läuft RememberQR stabil: im Web, als Android-App und in wachsender Zusammenarbeit mit Bestattungsinstituten. Dass ich den Weg ab einem Punkt allein gehen musste, war im Rückblick gut für das Projekt – so ist kein verwässerter Kompromiss entstanden.
Ich lerne mit jeder Familie und jedem Gespräch dazu. Die Leitlinie bleibt: Die Technik steht im Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen die Menschen und ihre Geschichten.
Öffne den Muster-Gedenkpfad – so sieht es aus, wenn jemand am Grab den Code scannt.
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